Die Orangerie im 18. Jahrhundert

1708 bis 1711

Im Auftrag Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1676–1732) und seiner Gemahlin Magdalena Augusta (1679–1740) entsteht unterhalb der östlichen Festungsanlagen des Schlosses Friedenstein an der Allee vor dem Siebleber Tor (der heutigen Friedrichstraße) das Lustschloss Friedrichsthal. Der gothaische Oberbaudirektor Wolf Christoph Zorn von Plobsheim entwirft die dreiflügelige Anlage nach dem Vorbild des Schlosses von Versailles. Gegenüber dem repräsentativen Barockbau errichtet von Plobsheim das sogenannte Ordonnanzhaus, in dem die herzogliche Leibwache zu Pferde untergebracht wird. Hinter dem Ordonnanzhaus wird in Richtung des Friedenstein eine terrassierte Gartenanlage angelegt, an deren Südseite ein Gewächshaus entsteht, in dem die umfangreiche herzogliche Sammlung von Orangeriepflanzen untergebracht wird.

Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg und seine Gemahlin, Herzogin Magdalena Augusta, geborene Prinzessin von Anhalt-Zerbst. (Originale: Schlossmuseum Gotha)

 

1708 Friedrichsthal

Zeichnung der ursprünglichen Ansicht des Schlosses Friedrichsthal. Die einst den Seitenflügeln vorgelagerten kleineren Pavillons wurden erst 1793 durch die heutigen zweistöckigen Flügelbauten ersetzt. (Original: ThSta Gotha)

nach 1732

Im Auftrag Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg (1699–1772) und seiner Gemahlin Luise Dorothée (1710–1767) wird der Ordonnanzgarten durch den gothaischen Oberlandbaumeister Johann Erhard Straßburger zu einer umfangreicheren Orangerie ausgebaut. Die Gartenanlage erhält unter anderem ein Lusthaus und eine Fontäne.

 

Ebenfalls im Schlossmuseum Gotha finden sich diese beiden Gemälde: Herzog Friedrich III. von Sachsen Gotha-Altenburg und seine Gemahlin, Herzogin Luise Dorothée, geborene Prinzessin von Sachsen-Meiningen. (Repro: SAG)

 

1734

Als Abschluss des Ordonnanzgartens zur Allee vor dem Siebleber Tor (der heutigen Friedrichstraße) wird ein Zaun mit einem dreiteiligen schmiedeeisernen Portal errichtet. Das prächtige zweiflügelige Mitteltor, das vom Monogramm Friedrichs III. gekrönt ist, wird vom Gothaer Hofschlossermeister Gräfenstein geschaffen, die beiden Seitentore fertigt Hofschlossermeister Silber. Den Auftrag für den Bau der Mauerbrüstung und der Steinpfeiler erhält Hofmaurermeister Georg David Broßmann.

 

1735

Johann Erhard Straßburger legt die ersten Entwürfe für ein neues Treibhaus vor, die vom Herzog als nicht ausreichend abgelehnt und auch wegen der dafür veranschlagten Kosten nicht ausgeführt werden. Das alte Orangeriegebäude wird lediglich repariert.

1735 Ordonnanzgarten

Dieser undatierte, um 1740 gezeichnete Grundriss des „Hochfürstl. Ordonance-Gartens“ zeigt den bereits zu einer Orangerie ausgebauten Ordonnanzgarten. Die terrassierte Anlage enthält neben dem Ordonnanzhaus auch ein Gewächs- und ein Treibhaus sowie bereits eine Fontäne und ein kleines Lusthaus. (Original: ThStA Gotha)

 

1737/38

Johann Erhard Straßburger errichtet im Ordonnanzgarten zusätzlich zum bereits bestehenden älteren Gewächshaus (das immer wieder ausgebessert wird) ein neues gläsernes Treibhaus. Die herzogliche Sammlung exotischer Pflanzen wird durch Ankäufe und eigene Zucht stetig vergrößert.

1738 Ordonnanzgarten

Ausschnitt aus dem um 1738 von Matthäus Seutter geschaffenen Prospekt der „Hochfürstlichen Residentz Friedenstein und Hauptstadt Gotha“. Gut erkennbar ist der Ordonnanzgarten (4) mit dem Ordonnanzhaus (5) und dem „Orangenhaus“ (6) genannten alten Gewächshaus. (Repro: Altstadtverein)

 

1745

Der herzogliche Obergärtner Streitz beschwert sich darüber, dass die Lorbeerbäume aufgrund ihrer Höhe nicht mehr in das alte Gewächshaus passen, das seit 1740 zudem erhebliche Schäden aufweist. Johann Erhard Straßburger entwirft daraufhin Pläne für ein neues, größeres Gewächshaus, die jedoch nicht ausgeführt werden.

 

1746

Johann Erhard Straßburger entwirft erneut Pläne für ein modernes Orangenhaus. Obwohl ebenfalls nicht verwirklicht, ähnelt das mit zwei Seitenpavillons und einem repräsentativen Mitteleingang versehene Gebäude dem später realisierten „Lorbeerhaus“.

 

1747

Der sachsen-weimarische Landesoberbaudirektor Gottfried Heinrich Krohne erhält Gelegenheit, eigene Entwürfe vorzulegen, denen schließlich der Vorzug vor den straßburgerschen gegeben wird. Krohne erhält von Herzog Friedrich III. den Auftrag für die komplette Umgestaltung des Ordonnanzgartens zu einem „Orangengarten“ nach französischem Vorbild. Auf ausdrücklichen Wunsch des Herzogs wird die gesamte Anlage durch eine Schwenkung der bisherigen Gartenachse um 20 Grad „in eine bessere Symmetrie mit dem Friedrichsthal“ gebracht. Das Ordonnanzhaus wird abgebrochen (die alten Gewächshäuser bleiben jedoch noch stehen) und das Gelände eingeebnet. Auf der Nord- und Südseite wird das Baugelände durch den Zukauf privater Gärten erweitert und mit dem Bau des auch „Glashaus“ genannten südlichen Treibhauses begonnen. Johann Erhard Straßburger ist lediglich an den bauvorbereitenden Arbeiten beteiligt.

Einer der von Krohne 1747 vorgelegten Entwürfe für den neuen „Orangengarten“ mit Grundrissen der vier geplanten Gebäude und aufwändig gestalteten Gartenanlagen. Der rechte Entwurf ist betitelt mit „Prospect des neu anzulegenden Orenge Gartens im Friedrichsthal“. (Originale: ThStA Gotha)

Einer der von Krohne 1747 vorgelegten Entwürfe für den neuen „Orangengarten“ mit Grundrissen der vier geplanten Gebäude und aufwändig gestalteten Gartenanlagen. Der Entwurf ist betitelt mit „Prospect des neu anzulegenden Orenge Gartens im Fridrichsthal“. (Original: ThStA Gotha)

 

Von Krohne vorgenommene Überplanung des Ordonnanzgartens. Gut erkennbar ist, dass die ursprüngliche Mittelachse der Anlage geschwenkt wurde, um die Orangerie exakt auf das Schloss Friedrichsthal auszurichten. (Original: ThStA Gotha)

Von Krohne vorgenommene Überplanung des Ordonnanzgartens. Gut erkennbar ist, dass die ursprüngliche Mittelachse der Anlage nach Süden geschwenkt wurde, um die Orangerie exakt auf das Schloss Friedrichsthal auszurichten. (Original: ThStA Gotha)

 

1748

Das südliche Treibhaus wird als erstes der vier vorgesehenen Orangeriegebäude fertiggestellt. Im selben Jahr wird mit dem Bau des benachbarten „Laurier-Hauses“ („Lorbeerhauses“) begonnen, das als Kalthaus (d.h. für die Überwinterung der kälteempfindlichen Orangeriepflanzen) konzipiert ist.

 

1750

Der Rohbau des „Lorbeerhauses“ wird fertiggestellt. Nach den Entwürfen Gottfried Heinrich Krohnes beginnen die Stukkateure Pietro Augustini und H. Güldner mit den Arbeiten zur plastischen Ausschmückung des Gebäudes. Sowohl die Decke im Mittelpavillon als auch die Decken im Ost- und Westpavillon erhalten Rosetten und Rocaillen im Stil des Rokoko, die Decken der beiden „Appartements“ genannten Zwischenbauten werden mit verkröpften Quadraturen und weiterem Dekor stukkiert.

Dieser vom Herzog bevorzugte Entwurf Krohnes für das „Laurierhaus“ (Lorbeerhaus) zeigt sehr schön, wie prächtig die gesamte Fassade und die Dächer des Kalthauses ursprünglich mit barockem Dekor verziert waren. Im Grundriss sind sehr schön Details wie z.B. die Öfen (dunkelgrau) auf der Südseite sowie die Grotte zwischen westlichem Appartement und Westpavillon zu erkennen. (Original: ThStA Gotha)

Dieser vom Herzog bevorzugte Entwurf Krohnes für das „Laurierhaus“ (Lorbeerhaus) zeigt sehr schön, wie prächtig die gesamte Fassade und die Dächer des Kalthauses ursprünglich mit Dekor verziert waren. Im Grundriss sind sehr schön Details wie z.B. die Öfen (dunkelgrau) auf der Südseite sowie die Grotte zwischen westlichem Appartement und Westpavillon zu erkennen. (Original: ThStA Gotha)

 

1751

Gottfried Heinrich Krohne fällt durch Intrigen beim Herzog in Ungnade, wird im August entlassen und muss den Gothaer Hof verlassen, ohne seine Arbeit im Orangengarten (der Orangerie) beenden zu können. Die Oberbauleitung der Orangerie bekommt Baudirektor Friedrich Joachim Stengel übertragen, der den weiteren Ausbau des „Lorbeerhauses“ verantwortet. Der Gothaer Hofbildhauer Ludewig Gottfried Graß beginnt mit der Arbeit an der Figurengruppe, welche die Grotte im Westpavillon des „Lorbeerhauses“ schmücken soll: Auf einem Berg aus Travertin sitzen eine Neptun- und eine Thetysfigur sowie zwei Putti, welche von zwei Wasser speienden Delphinen flankiert werden. Gespeist wird die Grotte mit dem Wasser des oberhalb der Orangerie entlangfließenden Leinakanals, das über das südlichen Treibhaus ins Innere des „Lorbeerhauses“ geleitet wird. Die Stukkaturen im „Lorbeerhaus“ werden fertiggestellt. Der Mittelpavillon wird mit schwarzem und weißem „Schwarzburger Alabaster“ in Rokokoformen ausgelegt (Ost- und Westpavillon sowie die Appartements erhalten Fußbodenplatten aus Seeberger Sandstein) und die Wände mit farbigem Stuckmarmor verziert.

 

1752

Friedrich Joachim Stengel wird zu Beginn des Jahres Krohnes einstiger Schüler Johann David Weidner als Bauinspektor beigeordnet. Als Stengel im April auf eigenen Wunsch Gotha verlässt, erhält Weidner die Oberaufsicht über das gothaische Bauwesen und damit auch die Leitung des weiteren Ausbaus der Orangerie. Die mit reichem plastischen Dekor versehene Fassade und das Innere des „Lorbeerhauses“ werden im Laufe des Jahres fertiggestellt.

1752 Fassade

Entwurf für die Nordfassade des Mittelpavillons des „Laurierhauses“ (Lorbeerhauses) mit plastischem Dekor. Auch wenn die Balustrade nicht in dieser Form ausgeführt wurde, gibt die Zeichnung einen guten Eindruck vom typischen barocken Fassadenschmuck, der ursprünglich das Kalthaus zierte. Auf Anordnung Herzog Ernsts II. wurden jedoch bereits 1775 die unmodern gewordenen plastischen Dekore entfernt. (Original: ThStA Gotha)

 

1754

Johann David Weidner, der in diesem Jahr zum gothaischen Landbaumeister befördert wird, stellt im südlichen Treibhaus den Defekt der Wasserleitung und wohl daraus resultierende erhebliche Fäulnisschäden fest, die behoben werden. In diesem Jahr verstirbt der Baumeister Johann Erhard Straßburger.

 

1756

Herzog Friedrich III. beauftragt Johann David Weidner, „nach dem Krohneschen Riß und Anschlag“ das zweite Orangenhaus (das nördliche Kalthaus) zu beginnen. Der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges verhindert jedoch die Ausführung der Arbeiten. In diesem Jahr stirbt der Architekt der Orangerie, Gottfried Heinrich Krohne.

 

1758

Johann David Weidner führt mit der Errichtung des Nördlichen Treibhauses den Ausbau der Orangerie fort.

Entwurfszeichnung des nördlichen Treibhauses, das als drittes Gebäude der Orangerie errichtet wurde. Um das natürliche Gefälle des Bauplatzes optisch auszugleichen, wurde der östliche Pavillon (rechts) mit einem etwas höheren Pagodendach versehen. Bis auf den heute nicht mehr vorhandenen barocken Fassadenschmuck ist das Treibhaus in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. (Original: ThStA Gotha)

Entwurfszeichnung des Nördlichen Treibhauses, das als drittes Gebäude der Orangerie errichtet wurde. Um das natürliche Gefälle des Bauplatzes optisch auszugleichen, wurde der östliche Pavillon (rechts) mit einem etwas höheren Pagodendach versehen. Bis auf den heute nicht mehr vorhandenen barocken Fassadenschmuck ist das Treibhaus in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten. (Original: ThStA Gotha)

 

1759

Nach Beschwerden des Obergärtners Streitz über den schlechten Standort der vier Öfen im „Lorbeerhaus“ (die unsinnigerweise auf der Südseite vor Blindfenstern stehen) werden in den beiden Appartements zwei Öfen auf die Nordseite versetzt und zwei der vier Blindfenster geöffnet, um fortan einen besseren Lichteinfall zugunsten der Pflanzen zu ermöglichen.

 

1766

Unter Johann David Weidner wird – ebenfalls nach den Plänen seines Vorgängers Gottfried Heinrich Krohne – mit dem Bau des letzten Gebäudes der Gesamtanlage, des „Orangenhauses“, auf der Nordseite des Gartens begonnen.

 

1767

In der Nacht vom 6. zum 7. Januar brennt das Gärtnerhaus in der Orangerie nieder; das benachbarte alte Gewächshaus des einstigen Ordonnanzgartens bleibt jedoch unbeschädigt. Im selben Jahr verstirbt Herzogin Luise Dorothée von Sachsen-Gotha-Altenburg.

 

1769

Nachdem das „Orangenhaus“ weitgehend fertiggestellt ist, wird mit dem alten Gewächshaus das letzte verbliebene Gebäude des ehemaligen Ordonnanzgartens abgebrochen.

Noch aus den Zeiten des Ordonnanzgartens stammte das alte Orangeriegenbäude, das mit der Fertigstellung des „Orangenhauses“ endgültig überflüssig und darum abgebrochen wurde. (Original: ThStA Gotha)

Noch aus den Zeiten des Ordonnanzgartens stammte das alte Orangeriegenbäude, das mit der Fertigstellung des „Orangenhauses“ endgültig überflüssig und darum abgebrochen wurde. (Original: ThStA Gotha)

 

1770

Hinter dem „Lorbeerhaus“ lässt Johann David Weidner Ananaskästen (überglaste Hochbeete) erstellen. Bereits seit 1732 werden in den herzoglichen Gärten Ananas gezogen, 1795/96 wird die Ananaszucht komplett in die Orangerie verlegt.

 

1772

Herzog Friedrich III. stirbt, ohne die Fertigstellung des von ihm 25 Jahre zuvor in Auftrag gegebenen Orangeriegartens zu erleben.

 

1773

Die letzten Arbeiten am „Orangenhaus“ werden abgeschlossen. Herzog Ernst II. (1745–1804) lässt nach Plänen Johann David Weidners nördlich des „Orangenhauses“ das Hofgärtnerhaus mit der Wohnung für den herzoglichen Oberhofgärtner errichten (Friedrichstraße 4). Auf der Südseite des Mittelpavillons des „Lorbeerhauses“ werden über den bestehenden Fenstern drei zusätzliche ovale Mezzaninfenster eingefügt, um den Pflanzen im Winter mehr Licht zu geben.

Kolorierte Federzeichnung des Hofgärtnerhauses (rechts), das nördlich hinter dem „Orangenhaus“ (links) errichtet wurde. Da das Gebäude aufgrund des Straßengefälles tiefer liegt als die Orangerie, wurde im ersten Stock ein (heute nicht mehr existierender) Ausgang mit Treppe geschaffen, über den die hier wohnenden Hofgärtner ohne Umwege in die Gartenanlage gelangen konnten. (Original: ThStA Gotha)

Kolorierte Federzeichnung des Hofgärtnerhauses (rechts), das nördlich hinter dem „Orangenhaus“ (links) errichtet wurde. Da das Gebäude aufgrund des Straßengefälles tiefer liegt als die Orangerie, wurde im ersten Stock ein (heute nicht mehr existierender) Ausgang mit Treppe geschaffen, über den die hier wohnenden Hofgärtner ohne Umwege in die Gartenanlage gelangen konnten. (Original: ThStA Gotha)

 

1774

Die Arbeiten am Orangeriegarten werden beendet. Da sich der Gartengeschmack seit etwa 1770 in Richtung des natürlich anmutenden Landschaftsgartens nach englischem Vorbild verändert hat, werden Gottfried Heinrich Krohnes ursprüngliche Entwürfe der Gartenanlage nicht mehr umgesetzt, sondern lediglich einfache Rasenparterres angelegt, um die herum die Kübelpflanzen aufgestellt werden. Im „Orangenhaus“ überwintern vor allem Zitronen, Pampelmusen, Orangen und Pomeranzen, im „Lorbeerhaus“ u.a. Zypressen, Lorbeer, Oleander, Feigen und Myrten. Das repräsentative Eingangsportal des Gartens und der Zaun werden um ca. 80 Zentimeter erhöht, da die Mauerbrüstung, auf der sie bisher stehen, entfernt wird. Auf dem Haupttor wird das bekrönende Monogramm des verstorbenen Friedrich III. durch das sächsische Rautenkranzwappen mit Herzogskrone ersetzt. Die ursprünglichen steinernen Granatäpfel auf den Pfeilern des Zaunes verschwinden zugunsten von Steinkugeln.

 

1775

Die reichen plastischen Fassadenverzierungen am „Lorbeer-“ und „Orangenhaus“ (hier waren sie erst zwei Jahre zuvor fertiggestellt worden!) werden auf Anordnung Herzog Ernsts II. abgestemmt und übergestockt. Die beiden Kalthäuser erhalten damit ihr heutiges, wesentlich schlichteres Aussehen.

Im Bestand des Museums für Regionalgeschichte und Volkskunde Gotha befindet sich das 1748 von Gottfried Heinrich Krohne geschaffene hölzerne und bemalte Modell der Orangerie. Am „Lorbeer-„ und „Orangenhaus“ (im Bild) sind noch die ursprünglich reichen barocken Fassadenverzierungen zu erkennen. (Foto: Cramer)

Im Bestand des Museums für Regionalgeschichte und Volkskunde Gotha befindet sich das 1748 von Gottfried Heinrich Krohne geschaffene hölzerne und bemalte Modell der Orangerie. Am „Lorbeer-„ und „Orangenhaus“ (im Bild) sind noch die ursprünglich reichen barocken Fassadenverzierungen zu erkennen. (Foto: Cramer)

 

1777

Die herzogliche Kammer beklagt in einem Schreiben an Herzog Ernst II., „… wie das so genannte Laurier=Hauß worinnen die Lorbeer-Bäume aufbehalten zu werden pflegen, sehr feuchte, kalt und dumpfigt ist, so daß die Bäume alle Winter darinn Schaden nehmen …“ Um mehr Licht in das Gebäude zu lassen, wird angeregt, auch die verbliebenen zwei Ofennischen vor den Blindfenstern der Südseite des „Lorbeerhauses“ abzubrechen, und gewarnt: „Sollten all diese Arbeiten nicht erfolgen, so könnte sein, daß der beabsichtigte Endzweck der ersten Anlage dieses Gebäudes zu Féten im Sommer hindurch ganz und gar vereitelt wird …“. Daraufhin werden die beiden letzten Blindfenster geöffnet. Im Zuge dieser Arbeiten wird auch die Grotte mit Wasserkaskade im Westpavillon abgebrochen (Reste ihres Fundaments werden bei den Sanierungsarbeiten im Jahre 2007 gefunden). Über den Eingängen der Mittelpavillons von „Lorbeer-“ und „Orangenhaus“ werden die Balustraden angebracht.

 

1780/81

Direkt oberhalb des südlichen Treibhauses entsteht im „Garten der Herzogin“ für Herzogin Charlotte Amalie von Sachsen-Gotha-Altenburg (1751–1827) ein Gartenpavillon. Von Baumeister Carl Christoph Besser (1726–1800) im Stil der Neogotik errichtet, wird dieser als Kloster, Eremitage oder Englische Kapelle bezeichnet. Der ursprüngliche Bau wird in den Jahren 1783, 1799/1800 und 1812 zu seiner heutigen Gestalt erweitert und prägt unter der Bezeichnung „Teeschlösschen“ das Bild der Südwestseite der Orangerie.

Blick vom Schloss Friedrichsthal auf die Orangerie: Links oberhalb des „Lorbeerhauses“ erhebt sich der zierliche Bau des 1780/81 errichteten und in den nachfolgenden Jahren erweiterten „Teeschlösschens“, während der Orangeriegarten vom imposanten Bau des Schlosses Friedenstein überragt wird. Das Bild befindet sich im Privatbesitz von Jürgen Hißner, Gotha. (Repro: Altstadtverein)

1781

Die Sammlung der Gothaer Orangerie beläuft sich laut einem Inventar des Obergärtners Johann Conrad Sahl auf insgesamt 2.953 Orangeriepflanzen, wovon 869 „Stämme oder Gewächsbäume“ in eckigen Kästen und 2.014 in „Pots oder Gartentöpfen“ gepflanzt sind. Im Orangenhaus stehen 608 Zitrusbäume verschiedener Sorten, im Lorbeerhaus die anspruchsloseren mediterranen Kalthauspflanzen: 290 Lorbeerbäume sowie Granatbäume, Myrten, Oliven, Oleander, Feigen usw.

Lageplan der 1781 über den Leinakanal hinweg (d.h. nordöstlich unterhalb des „Teeschlösschens“) geschaffenen Erweiterung des „Gartens der Herzogin“. Gut erkennbar sind die Grundrisse von „Lorbeerhaus“ und benachbartem Treibhaus sowie die dahinter befindlichen Beete und Glaskästen. Die Buchstaben bezeichnen: „A. Die Leine (den Leinakanal), B. Die Prommenaten, C. Ein quartier Land zum Blumen ziehen ... und D. Die Menagerie ...“ Kolorierte Federzeichnung aus dem Jahre 1781, Obergärtner Johann Conrad Sahl zugeschrieben. (Original: ThStA Gotha)

Lageplan der 1781 über den Leinakanal hinweg (d.h. nordöstlich unterhalb des „Teeschlösschens“) geschaffenen Erweiterung des „Gartens der Herzogin“. Gut erkennbar sind die Grundrisse von „Lorbeerhaus“ und benachbartem Treibhaus sowie die dahinter befindlichen Beete und Glaskästen. Die Buchstaben bezeichnen: „A. Die Leine (den Leinakanal), B. Die Prommenaten, C. Ein quartier Land zum Blumen ziehen … und D. Die Menagerie …“ Kolorierte Federzeichnung aus dem Jahre 1781, Obergärtner Johann Conrad Sahl zugeschrieben. (Original: ThStA Gotha)

 

1784

Der Orangeriegarten steht mit seiner umfangreichen Sammlung exotischer Pflanzen im Ruf, einer der hervorragendsten seiner Art in Deutschland zu sein. In diesem Jahr verstirbt der Baumeister Johann David Weidner.

 

1786

Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg verfügt, dass der herzogliche Park und damit der Orangeriegarten donnerstags und sonntags (seine Abwesenheit von Gotha vorausgesetzt) „für die Noblesse und für die Honoratiores zum freien Spaziergange geöffnet“ werden soll.

Nachdem Herzog Ernst II. 1786 dem Adel und den Gothaer Honoratioren jeweils donnerstags und sonntags den Zutritt zur Orangerie gestattet hatte, wurden vom Oberhofmarschallamt solche „Einlaß-Billetts“ herausgegeben, die an einem bestimmten Tag zum Spaziergang in der herzoglichen Anlage berechtigten. (Original: MRV)

 

1789

Der Oberhofgärtner Heinrich Christian Wehmeyer (1729–1813; an ihn erinnert bis heute das Wehmeyer-Denkmal südlich des Großen Parkteichs) bekommt die Aufsicht über die Orangerie (Gesamtbestand: 1.800 Pflanzen) und den Garten des Schlosses Friedrichsthal übertragen.

Ausschnitt mit der Orangerie aus dem „Gesamtplan zum ‚Englischen Garten‘, den Anlagen und dem Garten der Herzogin“. 1795 von Johann Rudolph Eyserbeck gezeichnet, stellen die Formen der Rasenflächen und die Aufstellung der Bäume wahrscheinlich nur einen Vorschlag Eyserbecks dar, der nicht umgesetzt wurde. (Original: ThStA Gotha)

Ausschnitt mit der Orangerie aus dem „Gesamtplan zum ‚Englischen Garten‘, den Anlagen und dem Garten der Herzogin“. 1795 von Johann Rudolph Eyserbeck gezeichnet, stellen die Formen der Rasenflächen und die Aufstellung der Bäume wahrscheinlich nur einen Vorschlag Eyserbecks dar, der nicht umgesetzt wurde. (Original: ThStA Gotha)

► Die Orangerie im 19. Jahrhundert