Die Orangerie im 19. Jahrhundert

1814

Johann Rudolph Eyserbeck (1765–1849; Sohn des berühmten Wörlitzer und Dessauer Gartengestalters Johann Friedrich Eyserbeck) wird Obergärtner in Gotha und erhält die Oberaufsicht über die gesamten herzoglichen Gärten einschließlich der Orangerie.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand diese kolorierte Federzeichnung des Orangeriegartens, ebenfalls vom Schloss Friedrichsthal aus gesehen. (Original: MRV)

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstand diese kolorierte Federzeichnung des Orangeriegartens, vom Schloss Friedrichsthal aus gesehen. (Original: MRV)

 

1817

Anlässlich der Hochzeit Herzog Ernsts III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld (ab 1826 Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha) mit Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg findet am 3. August in der Orangerie das „Haupt-Freudenfest für die Stadt“ statt, für das über 2.000 Billetts an die Gothaer verteilt werden. Im Programm des Herzoglich Sächsischen Oberhofmarschall-Amtes ist dazu festgehalten: „In beyden Orangenhäusern wird getanzt. Getränke und Kuchen werden in dem Orangenhause linker Hand ausgetheilt. […] Um 10 Uhr wird zwischen dem Orangerie-Garten und dem Schlosse (Friedrichsthal) ein Feuerwerk abgebrannt werden. Die Wachen tragen Sorge dafür, daß der für die Feuerwerker abgesteckte Platz von dem Publikum verschont werde. […] Damit aber die Illumination von dem ganzen Publikum gesehen werde, so muß der Weg zwischen dem Orangerie-Garten und dem Friedrichsthal freygelassen […] werden.“ Vier Chöre, je einer in beiden Kalthäusern sowie zwei im Garten selbst, sorgen für die stimmungsvolle Untermalung des Festes, das laut der „Gothaischen Privilegirten Zeitung“ bis in die frühen Morgenstunden dauert.

 

Feierten 1817 ihre Hochzeit mit einem Feuerwerk über der Orangerie: Herzog Ernst III. von Sachsen-Coburg-Saalfeld und Prinzessin Luise von Sachsen-Gotha-Altenburg.

 

1827

Aus dem Garten des Schlosses Friedrichsthal wird ein aus dem Jahre 1711 stammendes sandsteinernes Wasserbecken in die Mittelachse der Orangerie versetzt, wo es fortan als Brunnen dient. Herzog Friedrich IV. Von Sachsen-Gotha-Altenburg (1774–1825) gestattet im selben Jahr der Gothaer Bevölkerung, den herzoglichen Park einschließlich des Orangeriegartens zu besuchen, zunächst jedoch „nur an jedem Freytage“.

Ausschnitt aus dem Diplom des Thüringer Gartenbauvereins aus dem Jahre 1830 mit dem bekannten Blick auf Orangerie und Friedenstein vom Schloss Friedrichsthal aus. Interessantes Detail: die beiden Gärtner links im Vordergrund, die mittels einer Trage kleine Orangeriebäumchen transportieren. (Original: MRV)

Ausschnitt aus dem Diplom des Thüringer Gartenbauvereins aus dem Jahre 1830 mit dem bekannten Blick auf Orangerie und Friedenstein vom Schloss Friedrichsthal aus. Interessantes Detail: die beiden Gärtner links im Vordergrund, die mittels einer Trage kleine Orangeriebäumchen transportieren. (Original: MRV)

 

1830

Der Bestand der Orangerie beläuft sich in diesem Jahr auf 632 Bäume und 4.534 Topfpflanzen.

 

1833/34

Im nördlichen und im südlichen Treibhaus werden moderne Kanalheizungen eingebaut.

In der Zeit des Biedermeier schmückte diese handgezeichnete Abbildung des Orangeriegartens einen Briefkopf. Sehr schön erkennbar ist darauf die gleichmäßige Aufstellung der in Kübeln befindlichen Bäumchen rund um die Rasenparterres. (Original: MRV)

In der Zeit des Biedermeier schmückte diese handgezeichnete Abbildung des Orangeriegartens einen Briefkopf. Sehr schön erkennbar ist darauf die gleichmäßige Aufstellung der in Kübeln befindlichen Bäumchen rund um die Rasenparterres. (Original: MRV)

 

1851

Hinter dem „Lorbeerhaus“ wird ein neues „Vermehrungshaus“ (Gewächshaus) errichtet.

 

1855

Die Gothaer Schlosshauptmannschaft schreibt, die Gothaer Orangerie genieße „den Ruf der ersten in Deutschland“.

 

1856

Im „Orangenhaus“ wird vom Hofbaumeister Scherzer eine Kanalheizung eingebaut; das „Lorbeerhaus“ wird als letztes der vier Orangeriegebäude noch mit Öfen beheizt.

 

1863

Mit dem Anschluss der Residenzstadt an das Telegrafennetz werden im Obergeschoss des „Lorbeerhaus“-Ostpavillons drei Räume für die Einrichtung der königlich-preußischen Telegrafenstation ausgebaut. Die Station bleibt hier bis zum Jahre 1873.

 

1868

Das hohe Wasserbecken in der Mittelachse der Orangerie wird durch ein flacheres Marmorbecken (hergestellt von der Firma Erhardt Ackermann aus Weißenstadt bei Wunsiedel) mit einem metallenen Springbrunnen ersetzt. Das alte Becken wird zunächst hinter dem Schloss Friedrichsthal aufgestellt (für dessen barocken Garten es 1711 geschaffen wurde) und findet nach 1945 seinen Platz im sogenannten Tannengarten südlich des heutigen Museums des Natur, wo es bis zum Jahre 2007 als Hochbeet dient.

Das erste bekannte Foto der Orangerie nahm 1858 der renommierte englische Fotograf Francis Bedford (1816-1894) im Auftrag Königin Victorias von Großbritannien auf. Sehr gut erkennbar ist auf seinem Foto das hohe sandsteinerne Wasserbecken in der breiten Mittelachse des Gartens, das fünf Jahre später durch ein flacheres Marmorbecken mit einem metallenen Springbrunnen ersetzt wurde. (Original: KVC)

Das erste bekannte Foto der Orangerie nahm 1858 der renommierte englische Fotograf Francis Bedford (1816-1894) im Auftrag Königin Victorias von Großbritannien auf. Sehr gut erkennbar ist auf seinem Foto das hohe sandsteinerne Wasserbecken in der breiten Mittelachse des Gartens, das fünf Jahre später durch ein flacheres Marmorbecken mit einem metallenen Springbrunnen ersetzt wurde. (Original: KVC)

 

1870

Der Bestand der Orangerie beläuft sich auf nur 380 Pflanzen in Kübeln und Kästen, jedoch 8.528 Topfpflanzen.

Um 1875 schuf Robert Geissler diese „Orangeriegarten mit Friedrichsthal“ betitelte Lithografie. Gut zu erkennen ist darauf das nun flache Brunnenbecken mit dem neuen metallenen Springbrunnen. (Original: MRV)

Um 1875 schuf Robert Geissler diese „Orangeriegarten mit Friedrichsthal“ betitelte Lithografie. Gut zu erkennen ist darauf das nun flache Brunnenbecken mit dem neuen metallenen Springbrunnen. (Original: MRV)

 

Kurz vor der Jahrundertwende, 1898, entstand diese heitere Postkarte mit einem Blick vom Südflügel des Schlosses Friedrichsthal zur Orangerie mit ihren zahlreichen großen Kübelpflanzen. (Repro: MRV)

 

► Die Orangerie im 20. Jahrhundert