Die Baumeister der Orangerie

 

Die Ursprünge der Gothaer Orangerie gehen auf das Jahr 1711 zurück, als der gothaische Oberbaudirektor Wolf Christoph Zorn von Plobsheim gegenüber dem Schloss Friedrichsthal den Ordonnanzgarten anlegte. Die terrassierte Gartenanlage war in erster Linie ein Küchengarten, beherbergte jedoch auch schon ein Gewächshaus, in dem die umfangreiche herzogliche Sammlung von Orangeriepflanzen untergebracht war. In den 1730er-Jahren wurde der Ordonnanzgarten vom gothaischen Oberlandbaumeister Johann Erhard Straßburger planmäßig zu einer Orangerie mit Fontäne, Gewächs- und Lusthaus ausgebaut. Deren komplette Neugestaltung nach französischen Vorbildern wurde 1747 dem sachsen-weimarischen Landesoberbaudirektor Gottfried Heinrich Krohne übertragen. Als dieser 1751 am Gothaer Hof in Ungnade fiel, übernahm der gothaische Baudirektor Friedrich Joachim Stengel für einige Monate die Leitung der Arbeiten an der Orangerie. Ab 1752 wurden Krohnes Pläne vom gothaischen Landbaumeister Johann David Weidner vollendet.

 


 

Wolf Christoph Zorn von Plobsheim …

… wurde am 1. Dezember 1665 in Gotha als Sohn eines hohen Hofbeamten geboren. Nach einer Ausbildung zum Offizier wurde er 1686 Kammerjunker am gothaischen Hof, 1692 Kommandant der Residenzstadt Gotha und 1699 Schlosshauptmann von Schloss Friedenstein.

1703 wurde von Plobsheim zum Baudirektor und Leiter des herzoglichen Bauamts ernannt. In dieser Eigenschaft oblag ihm in den Folgejahren die Verantwortung für sämtliche Bauten im Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. In den Jahren 1708 bis 1711 entstand im Auftrag Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg mit dem Gothaer Schloss Friedrichsthal eines von Plobsheims wohl bedeutendsten Bauwerken. 1711 legte er mit der Anlage des Ordonnanzgartens den Grundstein für die heutige Gothaer Orangerie.

1712 wurde von Plobsheim Oberbaudirektor des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg. Da er ab 1719 kränkelte, wurde die Ausführung seiner letzten Entwürfe (u.a. für die Stadtkirche „Zur Gotteshilfe“ in Waltershausen) zunehmend vom gothaischen Baumeister Johann Erhard Straßburger übernommen.

Wolf Christoph Zorn von Plobsheim starb am 9. August 1721 in Gotha.

 


 

Johann Erhard Straßburger …

… wurde am 25. Februar 1675 in Markvippach als Sohn des Pfarrers Johann Peter Straßburger geboren. 1701 trat er in die Dienste Herzog Friedrichs II. von Sachsen-Gotha-Altenburg. Die früheste belegte Mitarbeit bei einem Bauprojekt in der Residenzstadt Gotha leistete er 1715 beim Bau der Siechhofskirche (heute Friedrichskirche) in Siebleben. Wie kein Zweiter prägte Straßburger in den nachfolgenden drei Jahrzehnten vor allem den Kirchenbau im Herzogtum.

Im Jahre 1731 wurde Straßburger zum gothaischen Oberlandbaumeister ernannt. Im Auftrag Herzog Friedrichs III. von Sachsen-Gotha-Altenburg baute er ab 1732 den Ordonnanzgarten gegenüber dem Schloss Friedrichsthal planmäßig zu einer umfangreicheren Orangerie aus. Unter seiner Leitung entstanden in der Gartenanlage in den 1730er-Jahren u.a. ein Lusthaus und eine Fontäne.

Obwohl Straßburger 1746/47 zwei Entwurfszeichnungen für den Neubau eines steinernen Orangeriegebäudes lieferte, erhielt der sachsen-weimarische Landesoberbaudirektor Gottfried Heinrich Krohne 1747 den Auftrag für die komplette Neugestaltung des Orangeriegartens nach französischem Vorbild. Straßburger war noch an den bauvorbereitenden Maßnahmen für die heutige Orangerie beteiligt und wurde 1751 pensioniert. Sein Nachfolger als gothaischer Baudirektor wurde für einige Monate Friedrich Joachim Stengel, dem 1752 Johann David Weidner folgte.

Johann Erhard Straßburger starb am 9. Januar 1754 in Gotha.

 


 

Gottfried Heinrich Krohne …

… wurde am 26. März 1703 als Sohn des Stallknechts Johann Christoph Crune (sic!) in Dresden geboren. Ab 1726 stand er in Diensten des Herzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach, baute aber u.a. auch in Schwarzburg-Rudolstadt und Nordfranken.

1747 erhielt Krohne von Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg den Auftrag für die komplette Umgestaltung des ehemaligen Ordonnanzgartens gegenüber dem Schloss Friedrichsthal zu einer Orangerie nach französischem Vorbild. Krohne projektierte die Gesamtanlage, konnte jedoch nur das Südliche Treibhaus (1748) und den Rohbau des „Lorbeerhauses“ (1750) fertigstellen, da er im August 1751 am Hof in Ungnade fiel und Gotha verlassen musste. Die Bauleitung der Orangerie bekam zunächst Friedrich Joachim Stengel und ab 1752 Krohnes ehemaliger Schüler Johann David Weidner übertragen.

Gottfried Heinrich Krohne, der heute als bedeutendster Barockbaumeister Thüringens gilt, starb am 30. Mai 1756 in Weimar.

 


 

Friedrich Joachim Stengel …

fjstengel… wurde am 29. September 1694 im anhaltinischen Zerbst als Sohn eines Hofbeamten geboren. Nach einem Studium an der Akademie der bildenden Künste in Berlin war der ausgebildete Ingenieur-Offizier erstmals von 1715 bis 1719 bei der gothaischen Oberbaudirektion als Feldmesser angestellt.

Nach Arbeiten u.a. für den Hof von Sachsen-Weimar-Eisenach, den Fuldaer Fürstabt und Kurmainz erhielt Stengel 1730 in Gotha eine Anstellung als Geometer und Militäringenieur. Da sich seine Hoffnungen auf die Nachfolge Johann Erhard Straßburgers als gothaischer Oberbaumeister nicht erfüllten, wechselte er 1733 in den Dienst des Fürsten von Nassau-Usingen, arbeitete ab 1735 für den Grafen von Nassau-Saarbrücken und ab 1750 für die Fürstin von Anhalt-Zerbst.

Im August 1751 erhielt Stengel seine dritte Anstellung in Gotha, wo er in der Nachfolge des pensionierten Johann Erhard Straßburger als „Rath- und Baudirektor“  zunächst die Umgestaltung der Räume der Herzogin Luise Dorothea von Sachsen-Gotha-Altenburg im Corps de Logis des Schlosses Friedenstein leitete. Als der Baumeister Gottfried Heinrich Krohne am Hof in Ungnade fiel, wurde Stengel auch die Oberbauleitung der Orangerie übertragen, wo er den weiteren Ausbau des „Lorbeerhauses“ betreute. Anfang 1752 wurde ihm Krohnes Schüler Johann David Weidner als Bauinspektor beigeordnet. Bereits im April desselben Jahres bat Stengel jedoch um seine Entlassung und arbeitete fortan bis zu seiner Pensionierung als Generalbaudirektor für die Fürsten von Nassau-Saarbrücken.

Friedrich Joachim Stengel starb am 10. Januar 1787 in Saarbrücken.

 


 

Johann David Weidner …

… wurde am 8. März 1721 in Bürgel als Sohn des Dornburger Hofmaurermeisters Nikolaus Weidner geboren. Als 14-Jähriger ging er beim sachsen-weimarischen Landesoberbaudirektor Gottfried Heinrich Krohne in die Lehre, der ihn sieben Jahre lang ausbildete und als dessen bedeutendster Schüler er gilt. 1742 trat Weidner als Baukondukteur in die Dienste Herzog Ernst Augusts I. von Sachsen-Weimar-Eisenach, wurde 1750 zum Bauverwalter ernannt und wechselte im Jahr darauf als Bauinspektor mit einer „Interims-Besorgnis“ an den gothaischen Hof.

1752 wurde Weidner dem gothaischen Baudirektor Friedrich Joachim Stengel als Bauinspektor beigeordnet und erhielt nach dessen Weggang noch im selben Jahr die Oberaufsicht über das gothaische Bauwesen. Herzog Friedrich III. von Sachsen-Gotha-Altenburg übertrug Weidner damit auch die Bauleitung der von seinem einstigen Lehrer Krohne begonnenen Orangerie. Unter seiner Leitung wurde 1752 das bei Krohnes Weggang erst im Rohbau stehende „Lorbeerhaus“ fertiggestellt. Aufgrund des Siebenjährigen Krieges konnte Weidner (der 1754 zum gothaischen Landbaumeister bestellt wurde) erst 1758 das Nördliche Treibhaus errichten. In den Jahren 1766 bis 1769 entstand schließlich mit dem „Orangenhaus“ das letzte der vier von Krohne projektierten Orangeriegebäude.

Johann David Weidner, der als einer der besten Architekten des Spätbarock in Mitteldeutschland gilt, starb am 23. Juni 1784 in Gotha.