China/Sina

Die goldgelben Früchte des Zitronenbaumes (citrus limon) galten in der Renaissance und im Barock als die mythischen „Goldenen Äpfel“ der Hesperiden, die den Göttern ewiges Leben verliehen. Die immergrünen Zitronenbäumchen, die ganzjährig gleichzeitig Blüten und Früchte tragen (eine botanische Besonderheit), avancierten auch aufgrund ihres Symbolgehaltes zu den beliebtesten Pflanzen der barocken Orangerien. (Foto: Cramer)

 

Bereits im 3. Jahrhundert v. Chr. brachte Alexander der Große von seinen Eroberungszügen in Persien die Zitrone als ersten Vertreter der Zitrusfrüchte in die Mittelmeerländer. Im 10. und 11. Jahrhundert gelangten über die Araber und die Kreuzritter schließlich Pomeranzen (auch Bitterorangen genannt), Limonen, Limetten und Pampelmusen nach Europa, wo sie in herrschaftlichen Gärten kultiviert wurden. So ist belegt, dass die Florentiner Herrscherfamilie der Medici schon im 14. Jahrhundert Gärten mit großen Mengen an Zitruspflanzen besaß.

 

Ende des 15. Jahrhunderts entdeckte der französische König Karl VIII. in Italien die Pomeranzengärten und war so begeistert von den exotischen Pflanzen, dass er zahllose Zitrusbäume nach Frankreich bringen und in seine Gartenanlagen einfügen ließ. Unter seinen Nachfolgern Franz I. und Heinrich II. erlebte Frankreich die ersten Höhepunkte der Orangeriekultur. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts tauchte auch erstmals der französische Begriff „Orangerie“ für diese neue Art von Gärten auf.

 

Bis dahin waren in Europa jedoch nur solche Zitrusfrüchte bekannt, die aufgrund ihrer Säure oder Bitterkeit nicht direkt zum Verzehr geeignet waren. Im Jahre 1518 berichtete jedoch der portugiesische Entdecker Vasco da Gama aus Indien erstmals von einer süßen Orange. 1548 brachte sein Landsmann Juan de Castro die ersten dieser aus dem südostasiatischen Raum stammenden Früchte nach Portugal. Von den Portugiesen „laranja“ genannt, wurde die süße Orange in Frankreich unter den Namen „pomme d’ orange“ und „pomme de sine“ (Apfel aus China) bekannt. Über die niederländische Bezeichnung „sinaasappel / appelsin“ für den „Chinaapfel“ kam schließlich um 1700 der Name „Apfelsine“ in den deutschen Sprachraum.

Zu den Kostbarkeiten der botanischen Literatur zählt der 1613 von Basilius Besler in Nürnberg herausgegebene „Hortus Eystettensis“. Der reich illustrierte, detailreiche Prachtband zeigt eine Fülle der damals bekannten Zier- und Nutzpflanzen. Eine Tafel des großformatigen Werkes ist den Agrumen (Zitrusgewächsen) gewidmet. Die Abbildung zeigt (von links) einen Zitronat-Zitronenbaum, eine Zwerg-Pomeranze und eine Pomeranze (auch Bitterorange genannt). Auch die Gärtner der Gothaer Herzöge haben möglicherweise den „Hortus Eystettensis“ gekannt und sich von ihm für die Bepflanzung der Nutz- und Lustgärten in der Residenzstadt inspirieren lassen. (Repro: Cramer)

Zu den Kostbarkeiten der botanischen Literatur zählt der 1613 von Basilius Besler in Nürnberg herausgegebene „Hortus Eystettensis“. Der reich illustrierte, detailreiche Prachtband zeigt eine Fülle der damals bekannten Zier- und Nutzpflanzen. Eine Tafel des großformatigen Werkes ist den Agrumen (Zitrusgewächsen) gewidmet. Die Abbildung zeigt (von links) einen Zitronat-Zitronenbaum, eine Zwerg-Pomeranze und eine Pomeranze (auch Bitterorange genannt). Auch die Gärtner der Gothaer Herzöge haben möglicherweise den „Hortus Eystettensis“ gekannt und sich von ihm für die Bepflanzung der Nutz- und Lustgärten in der Residenzstadt inspirieren lassen. (Repro: Cramer)

 

Vor allem im 17. Jahrhundert wurde es an den barocken Fürstenhöfen Europas Mode, für die exotischen Pflanzen (neben den Zitrusfrüchten kultivierte man z.B. auch Lorbeer- und Mandelbäume) eigene Gärten mit Treibhäusern für die Aufzucht und Überwinterung anzulegen. Eine der damals meistbewunderten Orangerien ließ sich der französische „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. in den Jahren 1684 bis 1686 in Versailles errichten. Seinem Vorbild folgend, entstanden in den folgenden Jahrzehnten in den meisten europäischen Residenzen Orangerien für die wachsenden Sammlungen exotischer Pflanzen. Sie dienten vor allem dem Repräsentationsbedürfnis der Fürsten, als außergewöhnliche Kulisse für Feste, Picknicks und Spaziergänge. Vom Ende des 17. Jahrhunderts an wurde der Begriff „Orangerie“ – der bislang nur auf den Garten, d.h. den Pflanzenbestand, beschränkt war – auch zur Beschreibung der entsprechenden Gebäude zur Überwinterung der kälteempfindlichen Exoten verwendet.

 

In Gotha legte schon Herzog Ernst I., der Fromme, von Sachsen-Gotha den Grundstein für die herzogliche Sammlung an Orangeriepflanzen: Der 1645 unterhalb der westlichen Wallanlagen des Schlosses Friedenstein für seine Gemahlin Elisabeth Sophie angelegte „Lustgarten der Herzogin“ enthielt bereits 19 Pomeranzen- und Zitronenbäume. 1652 wurden erstmals Pampelmusen für die Sammlung angekauft, und seit 1657 gab es im herzoglichen Nutzgarten südlich des Friedenstein ein sogenanntes Winter- oder Pomeranzenhaus. 1662 wurde im „Lustgarten der Herzogin“ ebenfalls ein Pomeranzenhaus errichtet.

 

Herzog Friedrich III. (Günther Köbrich) und Herzogin Luise Dorothée von Sachsen-Gotha-Altenburg (Iris Kretzschmar, rechts) in der Orangerie. (Foto: Cramer)

Das Herzogspaar gab 1747 den Auftrag für den Bau der Orangerie, erlebte aufgrund der langen Bauzeit deren Fertigstellung jedoch nicht mehr. (Foto: Cramer)

 

 

Herzog Ernsts Nachfolger Friedrich I. und Friedrich II. von Sachsen-Gotha-Altenburg bemühten sich um die stetige Erweiterung der Sammlung von Orangeriepflanzen. Unter Friedrich II. war diese bereits so stattlich, dass er sie im Ordonnanzgarten gegenüber seinem Sommerpalais Schloss Friedrichsthal in größerem Umfang präsentieren konnte. Sein Sohn Friedrich III. und dessen überaus frankophile Gemahlin Luise Dorothée (sie korrespondierte u.a. mit Voltaire, Diderot und Rousseau) ließen sich für ihre Residenzstadt schließlich eine Orangerie nach französischem Vorbild projektieren, um die beachtliche Sammlung von Zitruspflanzen angemessen präsentieren zu können.

 

Die Baumeister Gottfried Heinrich Krohne und später Johann David Weidner orientierten sich bei der Architektur der Gebäude am chinesischen Pagodenstil. Sowohl die beiden Kalthäuser („Orangen-“ und „Lorbeerhaus“) als auch das noch erhaltene nördliche Treibhaus zeigen daher die typischen geschwungenen Dachformen, die bewusst an die Palast- und Tempeldächer des Ursprungslandes des „Chinaapfels“ erinnern.

Orangenbäume waren neben den Zitronenbäumen aufgrund ihres exotischen Aussehens und aromatischen Duftes die bevorzugten Pflanzen der Orangerien und wurden im Barock für sehr viel Geld gehandelt. Ganz klar, dass als Maskottchen der Gothaer Orangerie nur eine Orange in Frage kam: „Sina die Orange“ symbolisiert seit April 2007 sinnfällig die Orangerie und erinnert mit ihrem Namen an die barocke Bezeichnung für das Reich der Mitte als Ursprungsland des „Chinaapfels“, der Apfelsine. (Foto: Cramer)

Bis heute steht neben der Zitrone die Orange / Apfelsine symbolisch für das Konzept der Orangeriegärten. Bei der Suche nach einem geeigneten Maskottchen für die Gothaer Orangerie war daher klar, dass dafür nur eine Apfelsine in Frage käme. Entwickelt von dem Gothaer Zeichner und Illustrator Kai Kretzschmar und dem Autor Andreas M. Cramer, war schnell auch ein passender Name für das „freche Früchtchen“ gefunden: „Sina die Orange“. Er erinnert nicht nur an die barocke Bezeichnung für das Reich der Mitte, sondern symbolisiert auch sinnfällig die Orangerie und schlägt somit eine Brücke zwischen Geschichte und Gegenwart. Seit April 2007 begleitet Sina als sympathischer Werbeträger die Aktivitäten rund um die Spendenaktion „Lust auf Orange(rie)!“ der Gothaer Orangerie.