Historischer Orangerie-Kalender für das Jahr 2015

Vor 280 Jahren

 

1735 legt der Gothaische Oberlandbaumeister Johann Erhard Straßburger die ersten Entwürfe für ein neues Treibhaus in der alten Orangerie, dem sogenannten „Ordonnanzgarten“, vor. Diese werden von Herzog Friedrich III.  von Sachsen-Gotha-Altenburg als nicht ausreichend abgelehnt und auch wegen der dafür veranschlagten Kosten nicht ausgeführt. Das alte Treibhaus wird lediglich repariert.

 

Gut erkennbar ist auf dieser um 1738 geschaffenen Ansicht der Ordonnanzgarten (4) mit Ordonnanzhaus (5) und dem „Orangenhaus“ (6) genannten alten Treibh- und Gewächshaus. (Repro: SAG)

 

 

Vor 270 Jahren

 

1745 beschwert sich der herzogliche Obergärtner Streitz darüber, dass die Lorbeerbäume aufgrund ihrer Höhe nicht mehr in das alte Treibhaus passen, das seit 1740 zudem erhebliche Schäden aufweist. Johann Erhard Straßburger entwirft daraufhin erneut Pläne für ein neues, größeres Gewächshaus, die jedoch ebenfalls nicht ausgeführt werden.

 

 

Das alte Treibhaus des „Ordonnanzgartens“. (Original: ThStA Gotha)

 

 

Vor 265 Jahren

 

1750 wird der Rohbau des „Lorbeerhauses“ nach den Entwürfen Gottfried Heinrich Krohnes fertiggestellt. Die Stukkateure Pietro Augustini und H. Güldner beginnen mit den Arbeiten zur plastischen Ausschmückung des Gebäudes. Sowohl die Decke im Mittelpavillon als auch die Decken im Ost- und Westpavillon erhalten Rosetten und Rocaillen im Stil des Rokoko, die Decken der beiden „Appartements“ genannten Zwischenbauten werden ebenfalls stukkiert.

 

 

Vor 245 Jahren

 

1770 lässt der Gothaische Landbaumeister Johann David Weidner hinter dem „Lorbeerhaus“ Ananaskästen (überglaste Hochbeete) erstellen, um die seit 1732 in den herzoglichen Gärten betriebene Ananaszucht in die Orangerie zu verlegen.

 

 

Vor 240 Jahren

 

1775 werden die barocken Fassadenverzierungen am „Lorbeer-“ und „Orangenhaus“ (an letzterem waren sie erst zwei Jahre zuvor fertiggestellt worden!) auf Anordnung Herzog Ernsts II. von Sachsen-Gotha-Altenburg entfernt. Die beiden Kalthäuser erhalten damit ihr heutiges, wesentlich schlichteres Aussehen.

 

 

Originaler Entwurf Gottfried Heinrich Krohnes Krohnes für das „Laurierhaus“ („Lorbeerhaus“) mit ursprünglich reichem Fassadendekor. (Original: ThStA Gotha)

 

 

Vor 235 Jahren

 

1780 wird direkt oberhalb des südlichen Treibhauses ein Gartenpavillon für Herzogin Charlotte Amalie von Sachsen-Gotha-Altenburg errichtet. Der von Carl Christoph Besser im Stil der Neogotik entworfene schlichte Bau wird zunächst als Kloster, Eremitage oder Englische Kapelle bezeichnet. In den nachfolgenden drei Jahrzehnten mehrfach erweitert, prägt das „Teeschlösschen“ seither die Ansicht der Orangerie von Osten.

 

 

Vor 185 Jahren

 

1830 beläuft sich der Pflanzenbestand der Orangerie auf 632 Bäume und 4.534 Topfpflanzen.

 

 

Vor 145 Jahren

 

1870 beläuft sich der Pflanzenbestand der Orangerie auf 380 Pflanzen in Kübeln und Kästen sowie 8.528 Topfpflanzen.

 

 

Die Orangerie in den 1870er-Jahren, lithografiert von Robert Geissler. (Repro: MRV)

 

 

Vor 90 Jahren

 

1925 erklärt das Reichsgericht mit Urteil vom 18. Juni die 1919 erfolgte Enteignung des herzoglichen Vermögens für verfassungswidrig und ungültig. Sämtliche Immobilien und Sachwerte im ehemaligen Herzogtum Gotha gehen wieder in das Privateigentum des letzten Herzogs, Carl Eduards von Sachsen-Coburg und Gotha, über. Auch die Orangerie gehört damit nicht mehr der Stadt, sondern wieder dem Haus Sachsen-Coburg-Gotha.

 

 

Das Orangerieparterre mit der 1919 aufgestellten Bronzeplastik der Jagdgöttin Diana in den 1920er-Jahren. (Foto: SAG)

 

 

Vor 85 Jahren

 

1930 lockt die „Deutsche Rosenschau“ vom 29. Juni bis 23. September rund 100.000 Besucher in die Orangerie. Anlass der Schau ist die Hundertjahrfeier des 1830 in Gotha gegründeten Thüringer Gartenbauvereins.

 

 

Die Organisatoren der „Deutschen Rosenschau“ neben dem Kassenhäuschen; im Hintergrund das „Orangenhaus“. (Foto: MRV)

 

Vor 75 Jahren

 

1940 werden die drei Jahre zuvor begonnenen Instandsetzungsarbeiten am „Lorbeerhaus“ abgeschlossen. Da der neue Musikpavillon (1939) am westlichen Ende der Mittelachse den FEA-Gedenkobelisken (1931) verdeckt, wird der Obelisk im Juli in den Volkspark umgesetzt.

 

 

Seit 1931 stand der Sandsteinobelisk zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg „gefallenen Helden der FEA 3“ (Gothaer Fliegerersatzabteilung 3) im westlichen Halbrund der Orangerie. (Foto: SAG)

 

 

Vor 65 Jahren

 

1950 erfolgt der Umbau des „Orangenhauses“ zur Stadtbibliothek. U.a. werden im östlichen Apartement und dem Ostpavillon hölzerne Zwischendecken eingezogen, Büroräume eingerichtet und ein Aufzug für Bücher eingebaut. Mittelpavillon und Ostteil des Gebäudes erhalten Holzparkett. Im Mittelpavillon werden die beiden großen Kachelöfen in den Wandnischen aufgestellt. Die Bibliothek (ab 1953 Heinrich-Heine-Bibliothek) nimmt noch im selben Jahr ihren Betrieb im Gebäude auf.

 

 

Vor 60 Jahren

 

1955 wird das elf Jahre zuvor durch eine Luftmine im Dachbereich schwer beschädigte südliche Treibhaus abgebrochen. Ein Neubau ist bereits projektiert, wird jedoch nicht ausgeführt.

 

 

Die Hälfte des südlichen Treibhauses ist bereits abgebrochen. (Foto: MRV)

 

 

Vor 55 Jahren

 

Am 14. Juli 1960 eröffnet nach vier Jahren Bauzeit im „Lorbeerhaus“ das im Volksmund „Ora“ genannte HO-„Orangerie-Café“; im Obergeschoss befindet sich eine Nachtbar.

 

 

Das zum Café umgebaute „Lorbeerhaus“ in den 1960er-Jahren. (Foto: SAG)

 

 

Vor 30 Jahren

 

1985 werden an der Fassade des nördlichen Treibhauses die ursprünglichen hohen Glasfenster nach historischem Vorbild wiederhergestellt.

 

 

Vor 20 Jahren

 

1995 werden bei der grundlegenden Sanierung des Orangeriegartens  die Rasenflächen und Rabatten in den zwischen 1900 und 1931 herrschenden Zustand zurückversetzt. U.a. wird die auf das Schloss Friedrichsthal zulaufende Mittelachse, die 1931 durch ein Halbrund aus Hecken und Rabatten geschlossen worden war, wieder durchgehend gestaltet. Im Zuge der Sanierungsarbeiten wird auch das 1954 gebaute „Salzmann-Ei“ abgebrochen.

 

 

Vor 10 Jahren

 

Im Winter 2005/06 wird das Nördliche Treibhaus erstmals wieder zur Überwinterung der Kübelpflanzen der Orangerie genutzt.

 

 

Nach über neun Jahrzehnten anderer Nutzung dient das nördliche Treibhaus seit dem Winter 2005 wieder als Quartier für Pflanzen. (Foto: Cramer)